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Kennen wir uns eigentlich?

 

Ich hatte da mal einen Freund, schon etwas länger her. Wir waren wirklich nur Freunde, aber was für Freunde wir waren. Er war für mich so etwas wie mein bester Freund, vermutlich war er mein bester Freund und zufälligerweise auch mein Nachbar. Oder eher  er  war mein Nachbar und wurde dann zufällig auch mein Freund. Eigentlich ist selbst die Zeitbezeichnung etwas länger her schon untertrieben, dass muss so gewesen sein als ich in die Grundschule kam. Also irgendwo noch in dem Alter bevor es losgeht einen Unterschied darin zu machen, ob du nun mit Mädchen oder mit Jungen rumhängst. Wir haben viel Zeit zusammen verbracht und ich werde nie diesen einen Moment vergessen, als wir uns kennengelernt haben. Klein, jung und irgendwie noch völlig frei von allem, was mich jetzt so wachhält nachts. Es muss irgendwann im Winter bzw im Anfang eines neuen Jahres gewesen, draußen lag Schnee. Ich hatte glaube ich einen Schneeanzug an und uaf jedenfall eine hässliche, große, rosafarbene Plastikharke. Er spielte draußen auf seinem Hof, irgendwas im Schnee. Aus irgendeinem Grund ging ich nach draußen, wir waren gerade erst eingezogen, wollte im Schnee spielen und da entdeckte ich ihn. Was dann passierte und wieso, weiß ich überhaupt nicht mehr, ich weiß nur, dass ich zu dir ging und wir miteinander redeten, anfingen zu spielen. Er und ich, mit meiner Plastikharke. Ich weiß das er auf irgendetwas was ich gemacht habe soetwas sagte wie "Meine Eltern wollen das aber nicht" Irgendwie so.  Und das war dann auch irgendwie so mal eben der Anfang einer eigentlich wunderbaren Freundschaft. Ich habe wirklich viel Zeit bei ihm drüben verbracht und seine Eltern haben mich eigentlich behandelt wie eine Tochter. Ich war wirklich gerne drüben, doch dann fingen wir ans zu verändern. Wir wurden älter, ich genauso wie er. Irgendwann verbrachten wir die nachmittage nicht mehr miteinander, sahen uns nicht mehr nach der Schule. Stattdessen freundete er sich - ich finde das ein wenig komisch - mit meinem Bruder an, der deutlich jünger ist als er. Aber irgendwie hatten sie doch Spaß, nehme ich mal an. Ab und zu habe ich mich freiwillig dazu gesellt, obwohl ich mich geistlich wie körperlich älter fühlte als er. Aufgrund einer famillären Veränderung dann, zogen wir weg. Mein Bruder und ich waren noch ab und zu am Wochenende da, meinen Vater besuchen bis er dann auch das Haus verkaufte. Heute haben wir keinen Kontakt mehr, allerdings gehen wir auf die gleiche Schule, er einen Jahrgang unter mir. Und irgendwie ist es so, als ob wir uns nie gekannt hätten. Die vielen kleinen Erinnerungen jedoch, die bleiben. Für immer. Und seine Eltern, die grüßen mich bis heute noch wenn wir uns mal über den Weg laufen.

Wenn ich jetzt einmal nicht diese Geschichte da oben mit einbeziehe, passiert es ziemlich häufig, dass man mit ein paar Leuten eine gewisse Zeit verbringt, vielleicht sogar Spaß hat und sie einen aber nach ein paar Tagen wieder behandeln, als ob wir uns noch nie begegnet wären. Der Name ist bekannt, mehr auch nicht. Man hat nie eine wahre Begegnung mit dem anderen gehabt, nie. Nicht einmal ein klitzekleines Lächeln, irgendwas das darauf hindeutet, das da mal irgendwie etwas war, was einen verbindet. Wenn auch vielleicht nur für einen Tag, für mehrere Stunden, die man gemeinsam verbracht hat. Und ich rede hier nicht von Leuten, die man als seine Freunde bezeichnet, nein. Eher das, was man unter "Wir kennen uns ein wenig näher, aber auch nicht zu nahe." Schade eigentlich, den selbst so ein klitzekleines Lächeln tut in der Tat nicht weh. Stattdessen starrt man aber lieber sturr am anderen vorbei, so als ob man der Luft konkurrenz machen wollen würde.

 

30.6.09 23:47
 


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